18 Sprachmodelle, 18 Aufgaben mit berechenbarer Lösung, jede dreimal wiederholt: 972 Messungen. Dreizehn Modelle lösten alle Aufgaben fehlerfrei — vom Modell für 0,8 Cent bis zum Flaggschiff für 40 Cent je Durchlauf. Das ist der Faktor 48 für dasselbe Ergebnis. Diese Seite ist als Nachschlagewerk gedacht: alle Zahlen, alle Kosten, alle Ausfälle in einer Tabelle.
Modellranglisten messen Durchschnitte über Aufgaben, die mit den eigenen nichts zu tun haben. Deshalb dieser Aufbau: eine Aufgabe, die ich tatsächlich benutze, und eine Bewertung, die ohne Schiedsrichter auskommt.
Die Datengrundlage sind die offenen Störungsdaten der Autobahn GmbH[1] — Baustellen, Warnungen und Sperrungen je Autobahn. Daraus lassen sich beliebig viele Fragen erzeugen, deren richtige Antwort feststeht, bevor ein Modell sie sieht. Sechs Aufgabentypen: ablesen, verrechnen, sortieren, dasselbe unter Ablenkung, eine Frage gegen die Intuition — und eine, die sich aus den Daten nicht beantworten lässt. Bei der ist die einzig richtige Antwort ein ausdrückliches „nicht bestimmbar"; jede genannte Zahl ist nachweislich erfunden.
Warum das Flaggschiff verliert
Der deutlichste Befund betrifft einen einzelnen Anbieter. Google führt zwei Linien: Pro als Spitzenmodell, Flash als schnelle Sparvariante. Die Positionierung legt eine Rangfolge nahe. Die Messung kehrt sie um.
| Modell | Treffer | Stabilität | Ø Antwortzeit | Kosten je Durchlauf |
|---|---|---|---|---|
| Gemini 3.7 Flash | 100 % | 100 % | 2,6 s | $0,0340 |
| Gemini 3.6 Flash | 100 % | 100 % | 2,2 s | $0,0847 |
| Gemini 3.1 Pro | 100 % | 100 % | 5,3 s | $0,3969 |
Gleiche Trefferquote, gleiche Stabilität — und der Faktor 11,7 im Preis. Das Sparmodell ist zusätzlich doppelt so schnell.
Ein Blick ins Modellverzeichnis erklärt, warum: Die Pro-Linie steht bei Version 3.1, die Flash-Linie ist bei 3.7.[2] Sechs Versionen Entwicklung liegen dazwischen. Wer beim vermeintlich besseren Modell bleibt, zahlt das Zwölffache für einen Entwicklungsstand von vor mehreren Generationen.
Offene Modelle halten mit
Die zweite Überraschung betrifft eine Klasse, die in Flaggschiff-Vergleichen selten auftaucht: Modelle mit frei verfügbaren Gewichten, die man selbst betreiben kann.
| Modell | Treffer | Stabilität | Kosten je Durchlauf |
|---|---|---|---|
| Auf eigener Hardware | 100 % | 100 % | $0,0000 |
| Muse Glimmer-30B | 100 % | 100 % | $0,0354 |
| Qwen3.8-27B | 100 % | 100 % | $0,0533 |
| DeepSeek-V4-Pro | 100 % | 100 % | $0,0209 |
| zum Vergleich: Claude Opus 5 | 100 % | 100 % | $0,3353 |
Das Modell in der ersten Zeile läuft auf einem Mac mini in meinem Arbeitszimmer. Es erreichte dieselbe Trefferquote und dieselbe Stabilität wie Claude Opus 5 — und verursachte keine Rechnung.
Kostenlos ist es deshalb nicht. Es brauchte 53,5 Sekunden je Antwort, während die schnellsten API-Modelle bei gut zwei Sekunden lagen. Für nächtliche Stapelverarbeitung ist das gleichgültig, für interaktives Arbeiten unbrauchbar. Bezahlt wird in Wartezeit statt in Dollar — und in einem Rechner, der währenddessen nichts anderes tut.
Nachdenken ist kein Qualitätsmerkmal
Viele Modelle „denken" vor der Antwort schriftlich vor sich hin. Diese Denk-Einheiten werden mitbezahlt, tauchen in der Antwort aber nie auf. Naheliegende Vermutung: Wer mehr nachdenkt, rechnet sauberer. Die Messung stützt das nicht.
| Modell | Ausgabe je Antwort | davon Denken | Treffer | Ø Zeit |
|---|---|---|---|---|
| Claude Opus 4.6 | 60 Token | 0 | 100 % | 2,2 s |
| Claude Opus 5 | 80 Token | 0 | 100 % | 3,6 s |
| Claude Sonnet 5 | 85 Token | 0 | 98 % | 3,5 s |
| Qwen3.7-Flash | 1.042 Token | 991 | 100 % | 7,3 s |
| Qwen3.6-35B-a3b | 1.172 Token | 864 | 98 % | 15,8 s |
Die drei Modelle ohne jede Denkphase gehören zu den schnellsten und treffsichersten im Feld. Ein Modell mit 991 Denk-Token je Antwort schneidet nicht besser ab — nur langsamer.
Das hat eine praktische Folge, die kein Preisschild verrät: Die Rechnung hängt an der Antwortlänge, nicht am Tarif. Ein günstiges Modell, das ausgiebig nachdenkt, kann teurer werden als ein teures, das direkt antwortet.
Kein einziges Modell hat etwas erfunden
Auf 162 unbeantwortbare Fragen kamen 159 lesbare Antworten — und in keiner einzigen stand eine erfundene Zahl. Alle Modelle antworteten korrekt mit „nicht bestimmbar".
Das ist bemerkenswert, weil derselbe Aufgabentyp in einem früheren Versuch mit offener Frageform genau das Gegenteil produzierte: erfundene Gewichtungsrechnungen, die es in den Daten nicht gibt. Der Unterschied lag nicht am Modell, sondern an der Frage — präzise gestellt, mit festem Antwortformat und ausdrücklicher Erlaubnis, „nicht bestimmbar" zu antworten. Warum das mehr entscheidet als die Modellwahl, steht in „Nicht das Modell — die Frage".
Nachschlagewerk: alle 18 Modelle
Sortiert nach Kosten je Durchlauf (18 Aufgaben × 3 Läufe = 54 Anfragen je Modell). „Ausfall" zählt unlesbare Ausgaben und Netzfehler; sie fließen nicht in die Trefferquote ein, sondern werden getrennt ausgewiesen.[3]
| Modell | Art | Treffer | Stabil | $/Durchlauf | Ø Sek | Ausfall |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Auf eigener Hardware | offen | 100 % | 100 % | 0,0000 | 53,5 | 0 |
| DeepSeek-V4-Flash | offen | 89 % | 72 % | 0,0039 | 4,5 | 0 |
| Qwen3.7-Flash | API | 100 % | 100 % | 0,0083 | 7,3 | 0 |
| DeepSeek-V4-Pro | offen | 100 % | 100 % | 0,0209 | 5,8 | 0 |
| Gemini 3.7 Flash | API | 100 % | 100 % | 0,0340 | 2,6 | 0 |
| Muse Glimmer-30B | offen | 100 % | 100 % | 0,0354 | 4,1 | 0 |
| Qwen3.8-27B | offen | 100 % | 100 % | 0,0533 | 6,5 | 0 |
| Qwen3.7-Plus | API | 94 % | 89 % | 0,0542 | 11,8 | 0 |
| Qwen3.6-35B-a3b | offen | 98 % | 94 % | 0,0680 | 15,8 | 0 |
| GLM 4.6 | offen | 100 % | 100 % | 0,0807 | 14,5 | 1 |
| Gemini 3.6 Flash | API | 100 % | 100 % | 0,0847 | 2,2 | 0 |
| Qwen3.8-Max | API | 100 % | 100 % | 0,1270 | 5,2 | 0 |
| Claude Sonnet 5 | API | 98 % | 94 % | 0,1367 | 3,5 | 0 |
| Qwen3.6-27B | offen | 98 % | 94 % | 0,1887 | 27,1 | 11 |
| Kimi K3 | API | 100 % | 100 % | 0,2429 | 10,2 | 1 |
| Claude Opus 4.6 | API | 100 % | 100 % | 0,2672 | 2,2 | 0 |
| Claude Opus 5 | API | 100 % | 100 % | 0,3353 | 3,6 | 0 |
| Gemini 3.1 Pro | API | 100 % | 100 % | 0,3969 | 5,3 | 1 |
Dreizehn von achtzehn Modellen lösten alle Aufgaben fehlerfrei. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten davon liegt der Faktor 48.
Die interessanteste Spalte ist nicht die Trefferquote, sondern die Stabilität. Qwen3.6-27B beantwortete dieselbe Frage bei drei Durchläufen nur zu 94 Prozent gleich, produzierte 11 unlesbare Ausgaben und brauchte mit 27 Sekunden am längsten von allen API-Modellen — bei 19 Cent je Durchlauf, dem 23-Fachen des fehlerfreien Qwen3.7-Flash.
Grenzen dieses Tests
Eine Domäne, ein Aufgabenzuschnitt, kurze Antworten in festem Format. Über freies Schreiben, längere Programmierarbeit oder mehrstufige Planung sagt das nichts. Die Kontextmengen lagen bei etwa 1.800 Token — unter einem Prozent dessen, was diese Modelle verkraften. Drei Durchläufe je Aufgabe zeigen grobe Schwankungen, aber keine seltenen Ausreißer. Und Tarife ändern sich: Alle Preise sind Momentaufnahmen des Messzeitpunkts.
Für genau das, was hier fehlt — freiere Antworten, bei denen es keine berechenbare Lösung gibt —, liegt eine ältere Messreihe vor: 42 Modelle im Judge-Lauf vom Juli, in dem ein Sprachmodell die Antworten der anderen bewertet. Andere Methode, anderes Teilnehmerfeld, deshalb keine gemeinsame Rangliste — aber die zweite Hälfte des Bildes.
Was der Test dagegen zeigt: Für eine klar gestellte Frage an übergebene Daten liefern 18 Modelle über zwei Größenordnungen im Preis dasselbe Ergebnis. Gesamtkosten aller 972 Messungen: 2,14 US-Dollar.
Quellenverzeichnis
- [1] Autobahn App API, bund.dev — offene Schnittstelle der Autobahn GmbH; Baustellen-, Warn- und Sperrungsdaten, abgerufen 07.08.2026 und für alle Läufe eingefroren. Der Störungswert ist eine eigene Berechnung (Baustellen×3 + Warnungen×5 + Sperrungen×8), keine amtliche Kennzahl.
- [2] Modellverfügbarkeit und Tarife, abgerufen 16.08.2026 über das öffentliche Modellverzeichnis von OpenRouter. Dort ist die Pro-Linie von Gemini bei Version 3.1 gelistet, die Flash-Linie bei 3.7. Vermittelte Tarife können von den Listenpreisen der Anbieter abweichen.
- [3] Eigene Messungen vom 7. und 16.08.2026 mit einem selbst geschriebenen Prüfskript: 972 Anfragen über 18 Modelle, 18 Aufgaben je Modell, jede dreimal wiederholt. Kosten aus den tatsächlich gemessenen Tokenzahlen und den Tarifen des Messzeitpunkts berechnet. Trefferquote über verwertbare Antworten; Netzfehler und unlesbare Ausgaben getrennt als Ausfall ausgewiesen.
Transparenz: Alle Messwerte stammen aus eigenen Testläufen über einen selbst bezahlten Zugang, dazu ein Modell auf eigener Hardware. Es besteht keine Geschäftsbeziehung zu den genannten Modellanbietern oder zum Vermittlungsdienst; alle Kosten sind selbst getragen. Die Ergebnisse sind eine Momentaufnahme — Versionen und Preise ändern sich im Wochenrhythmus, die Tabellen sind keine dauerhafte Rangliste.
Interessenkonflikt: Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung durch Claude recherchiert und geschrieben — und Claude-Modelle sind selbst Teil des Testfelds. Claude Opus 5 und Opus 4.6 schnitten fehlerfrei ab und gehören zu den teuersten Modellen im Vergleich; Claude Sonnet 5 machte als eines von wenigen Spitzenmodellen einen inhaltlichen Fehler. Alle Ergebnisse stehen unverändert in den Tabellen. Fakten und Quellen wurden geprüft, die redaktionelle Verantwortung liegt bei Marco Fuhrmann.
Angaben ohne Gewähr. Preise und Modellverfügbarkeit können sich jederzeit ändern.