Am 2. August 2026 wird die EU-KI-Verordnung in vollem Umfang anwendbar. Ab dann gilt: Wer KI-Inhalte veröffentlicht, die echt wirken, muss das kennzeichnen — und Chatbots müssen sagen, dass sie Maschinen sind. Das klingt nach Bürokratie, ist aber im Alltag erstaunlich einfach: ein ehrlicher Hinweis genügt meist. Wer es ignoriert, riskiert Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des Jahresumsatzes. Dieser Artikel erklärt ohne Juristendeutsch, wie es zu den Regeln kam und was du konkret tun solltest.
Ein Datum, das du dir merken solltest
Der 2. August 2026 ist ein Sonntag. Trotzdem ändert sich an diesem Tag etwas für alle, die mit KI arbeiten. Die EU-KI-Verordnung — oft AI Act genannt — wird dann in vollem Umfang anwendbar[1].
Das Gesetz existiert schon länger. Aber bisher galten nur Teile davon. Ab August greift der Kern. Und ein Teil davon betrifft fast jeden, der KI nutzt: die Kennzeichnungspflicht.
Die Idee dahinter ist simpel. Menschen sollen erkennen können, ob ein Foto echt ist oder erzeugt. Und ob am anderen Ende ein Mensch antwortet oder eine Maschine.
Wie kam es überhaupt dazu?
Die Regeln sind nicht über Nacht entstanden. Die EU denkt seit 2018 über KI-Regeln nach. Damals setzte sie eine Expertengruppe ein, die Leitlinien für vertrauenswürdige KI schrieb.
2021 legte die EU-Kommission dann einen Gesetzentwurf vor[4]. Der Plan: je riskanter eine KI-Anwendung, desto strenger die Regeln. Ein Spamfilter braucht kaum Aufsicht. Eine KI, die über Kredite oder Bewerbungen entscheidet, sehr wohl.
Dann kam Ende 2022 ChatGPT. Plötzlich konnte jeder Texte, Bilder und später täuschend echte Videos erzeugen. Die Politik musste nachlegen. Genau deshalb steht heute die Kennzeichnungspflicht im Gesetz: Als der erste Entwurf geschrieben wurde, war das Problem noch klein. Als das Gesetz fertig war, war es riesig.
Im August 2024 trat die Verordnung in Kraft — mit gestaffelten Fristen, damit sich alle vorbereiten können. Erst kamen Verbote für besonders gefährliche Praktiken, dann Regeln für die großen KI-Modelle. Am 2. August 2026 folgt jetzt die breite Stufe, zu der die Kennzeichnung gehört.
„Ich dachte, das wurde verschoben?"
Vielleicht hast du gelesen, die EU habe den AI Act entschärft oder verschoben. Das stimmt — aber nur für einen anderen Teil des Gesetzes.
Im Mai 2026 haben sich EU-Parlament und Mitgliedstaaten auf ein Änderungspaket geeinigt, den sogenannten Digital Omnibus[2]. Er verschiebt die strengen Pflichten für Hochrisiko-Systeme auf Ende 2027. Die Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte bleibt davon unberührt. Sie kommt am 2. August 2026.
Eine kleine Erleichterung gibt es: Für die unsichtbare, technische Markierung im Dateihintergrund haben bestehende KI-Systeme bis zum 2. Dezember 2026 Zeit. Die sichtbare Kennzeichnung für Menschen gilt ab August.
Was du konkret kennzeichnen musst
Keine Sorge: Du musst nicht jede KI-Nutzung melden. Es geht um Situationen, in denen Menschen getäuscht werden könnten. Vier Fälle sind wichtig:
- Chatbots: Wenn auf deiner Website eine KI antwortet, müssen Besucher das erkennen können. Ein Satz wie „Du chattest mit unserem KI-Assistenten" reicht.
- Täuschend echte Bilder, Stimmen und Videos: Sogenannte Deepfakes müssen als künstlich erzeugt offengelegt werden.
- KI-Texte zu öffentlichen Themen: Wer KI-geschriebene Artikel zu Themen veröffentlicht, die die Allgemeinheit betreffen, muss das dazusagen — außer ein Mensch hat den Text geprüft und trägt die redaktionelle Verantwortung.
- Technische Markierung: Die KI-Werkzeuge selbst müssen ihre Ausgaben im Hintergrund maschinenlesbar markieren. Das ist vor allem Aufgabe der Anbieter, nicht deine.
Es gibt Ausnahmen, etwa für Kunst und Satire. Ein offensichtlich verfremdetes Bild in einem Meme ist etwas anderes als ein gefälschtes Nachrichtenvideo. Die Faustregel bleibt trotzdem: Im Zweifel kennzeichnen.
Die freundliche Einladung: Mach es einfach
Hier kommt die gute Nachricht. Die Kennzeichnung ist keine Hürde, sondern ein Freifahrtschein. Wer ehrlich dazusagt, wo KI im Spiel war, hat die Pflicht in den allermeisten Fällen schon erfüllt.
Ein Hinweis unter dem Bild. Eine Zeile im Impressum. Mehr ist es in den meisten Fällen nicht, und das Risiko ist vom Tisch.
Wir machen das hier bei mvxlabs selbst so: In unserem Impressum steht, dass Texte, Bilder und Podcast-Stimmen auf dieser Seite mit KI-Unterstützung entstehen. Nicht weil es weh tut, sondern weil es Vertrauen schafft. Leser reagieren auf Ehrlichkeit besser als auf perfekte Fassaden.
Und noch ein Gedanke: Die Kennzeichnung schützt nicht nur dich. Sie schützt alle. Je normaler es wird, KI-Inhalte zu markieren, desto schwerer haben es die, die mit gefälschten Videos und erfundenen Nachrichten täuschen wollen. Jeder ehrliche Hinweis macht das Netz ein Stück verlässlicher.
Die nicht so schöne Seite: Bußgelder
Damit die Regeln ernst genommen werden, hat die EU sie mit Strafen versehen. Bei Verstößen gegen die Kennzeichnungspflicht drohen Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Betrag höher ist[1].
Für kleine und mittlere Unternehmen gibt es eine wichtige Milderung: Bei ihnen gilt der jeweils niedrigere Betrag. Niemand will den Ein-Personen-Blog mit Millionenstrafen ruinieren. Aber ein Bußgeld, das weh tut, ist auch für Kleine möglich.
In Deutschland überwacht die Bundesnetzagentur die Einhaltung[3]. Der Bundestag hat das zugehörige deutsche Gesetz im Juni 2026 beschlossen. Erfahrungsgemäß starten Behörden mit Hinweisen und Aufforderungen, nicht mit Höchststrafen — so war es auch beim Datenschutz 2018. Aber wer sich gar nicht kümmert, steht am Ende ohne Ausrede da.
Fazit
Der 2. August 2026 ist kein Grund zur Panik. Er ist eine Einladung, ehrlich zu sein. Schau einmal durch: Wo nutzt du KI? Wo könnten Menschen das nicht erkennen? Schreib es dorthin. Fertig. Wer das jetzt in einer ruhigen halben Stunde erledigt, muss sich um Bußgelder und Behördenpost keine Gedanken machen. Und gewinnt nebenbei etwas, das man nicht kaufen kann: das Vertrauen seiner Leser.
Du liest die einfache Version. Dieselbe Geschichte gibt es auch:
- EU-Verordnung im Volltext: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung) — Kennzeichnungspflichten in Artikel 50, Bußgelder in Artikel 99, Fristen in Artikel 113.
- Rat der EU: Einigung zum Digital Omnibus vom 7. Mai 2026 — was verschoben wurde und was nicht.
- Bundesnetzagentur: KI-Verordnung — Aufgaben und Aufsicht — die zuständige Behörde in Deutschland.
- Europäisches Parlament: KI-Gesetz: erste Regulierung der künstlichen Intelligenz — Entstehung und Zeitplan.
- Europäische Kommission: Code of Practice zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte — der Praxisleitfaden (Juni 2026).
Hinweis: Dieser Artikel gibt eine allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung. Ob und wie die Pflichten in deinem Fall greifen, klärt im Zweifel ein Fachanwalt für IT-Recht.