Sieben Jahre lang habe ich Motorradtouren mit zwei GPS-Apps aufgezeichnet und die Dateien danach kaum je wieder angesehen. An einem Abend habe ich alle 633 Touren durch die Pass-Erkennung von Kurvenfokus laufen lassen. Heraus kam eine Bilanz, die ich so nicht erwartet hatte: 639 Pass-Überquerungen, 152 einzigartige Pässe und ein Fahr-Muster, das ich Jahr für Jahr wiederholt habe, ohne es je zu bemerken.
Es gibt diesen Ordner, den fast jeder Motorradfahrer hat. Bei mir hieß er einfach „Touren", lag auf dem Rechner und füllte sich sieben Jahre lang mit GPX-Dateien und Exporten aus zwei verschiedenen Tracking-Apps. Nach jeder Fahrt landete ein neuer Track darin. Angesehen habe ich davon so gut wie nichts. Aufzeichnen ist leicht — auswerten macht Arbeit, und die hebt man sich für „irgendwann" auf.
Irgendwann war jetzt. Ich baue eine App für genau diese Frage: Was steckt eigentlich in den eigenen Tourdaten? Und irgendwann muss man sein Werkzeug auf sich selbst loslassen. Also habe ich alle 633 aufgezeichneten Touren aus den Jahren 2019 bis 2026 importiert und durch die Pass-Erkennung laufen lassen. Was danach auf dem Bildschirm stand, hat mir mehr über meine eigenen Gewohnheiten verraten als sieben Jahre Erinnerung.
Ein Ordner voller Tracks, den ich nie ausgewertet habe
Zwei Apps über die Jahre, zwei Exportformate, ein loser Haufen Dateien. Für sich genommen ist jeder einzelne Track eine hübsche Linie auf einer Karte und danach vergessen. Der Wert liegt nicht in der einzelnen Fahrt, sondern in der Summe — und die sieht man nur, wenn jemand alles gegen dieselbe Referenz hält.
Genau das macht die Pass-Erkennung: Sie legt jeden Track über eine Datenbank befahrbarer Gebirgspässe und markiert jede Überquerung, samt Höhen-Plausibilität. Kein Abhaken, kein Erinnern. Man wirft sieben Jahre hinein und bekommt eine Bilanz zurück.
Die Bilanz: 639 Durchfahrten, 152 Pässe
Das nüchterne Ergebnis zuerst, in einer Tabelle, weil Zahlen hier mehr sagen als Sätze:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Analysierte Touren | 633 |
| Touren mit mindestens einer Pass-Überquerung | 205 |
| Pass-Durchfahrten gesamt | 639 |
| Einzigartige Pässe | 152 |
| Höchster Pass | Stilfser Joch, 2.758 m (8×) |
205 von 633 Touren führten überhaupt über einen Pass — der große Rest waren Feierabendrunden, Anfahrten, Regenflucht. Aber diese 205 haben es in sich: 639 Durchfahrten, verteilt auf 152 verschiedene Pässe. Hätte mich vorher jemand gefragt, wie viele einzelne Pässe ich in meinem Motorradleben schon gefahren bin, hätte ich vielleicht 70 gesagt, im Brustton der Übertreibung 100. Es waren 152.
24 Mal Mendelpass: die Top 10
Spannender als die Gesamtzahl ist die Verteilung. Ein paar wenige Pässe tauchen immer wieder auf — die Strecken, die man fährt, ohne nachzudenken, weil sie auf dem Weg liegen oder weil man sie einfach mag:
| Pass | Höhe | Durchfahrten |
|---|---|---|
| Mendelpass / Passo della Mendola (IT) | 1.363 m | 24× |
| Passo Pordoi (IT) | 2.239 m | 22× |
| Sellajoch / Passo Sella (IT) | 2.240 m | 19× |
| Passo di Giau (IT) | 2.236 m | 18× |
| Seefelder Sattel (AT) | 1.185 m | 16× |
| Brennerpass (AT) | 1.370 m | 16× |
| Passo Falzarego (IT) | 2.105 m | 16× |
| Passo Campolongo (IT) | 1.875 m | 13× |
| Grödner Joch / Passo Gardena (IT) | 2.121 m | 11× |
| Jaufenpass (IT) | 2.094 m | 10× |
Der Mendelpass steht mit 24 Durchfahrten an der Spitze — 1.363 m, kein spektakulärer Alpenriese, aber die Klammer zwischen Etschtal und Nonstal, die ich offenbar bei fast jeder Südtirol-Anreise mitgenommen habe. 24 Mal, ohne dass es mir je bewusst geworden wäre. Der Brenner (16×) und der Seefelder Sattel (16×) erzählen dieselbe Geschichte: Das sind keine Ausflugsziele, das sind meine Durchgangs-Pässe auf dem Weg nach Süden.
Die Dolomiten waren immer meine Hausrunde
Und dann ist da das Muster, das mich am meisten überrascht hat: Pordoi, Sella, Giau, Falzarego, Campolongo, Grödner Joch — die halbe Top 10 ist Sella-Ronda. Sechs der zehn meistgefahrenen Pässe liegen im selben Dolomiten-Karree, das man an einem langen Tag zu einer Runde verbinden kann. Ich hatte nie das Gefühl, „immer dasselbe" zu fahren. Die Daten sagen etwas anderes: Die Dolomiten sind meine heimliche Hausrunde, und ich kehre Jahr für Jahr dorthin zurück.
Das ist der eigentliche Reiz so einer Auswertung. Sie widerspricht dem Bauchgefühl nicht laut, sie ergänzt es leise. Man ahnt, dass man den Pordoi „öfter mal" fährt. Dass es 22 Mal waren, ist eine andere Qualität von Wissen.
Wie sich das für eine einzelne Tour anfühlt, habe ich mir an einem Wochenende dort genauer angesehen: 1.500 Kurven in den Dolomiten — was meine Daten über mein Fahren verraten. Dieselbe Gegend, andere Flughöhe — statt sieben Jahren nur zwei Tage, dafür jede Kurve einzeln.
Vom Sattel zum Stilfser Joch: die Spannbreite einer Biografie
Am unteren Ende der Höhenskala steht ausgerechnet ein Pass, der einfach „Sattel" heißt — 938 m, in Bayern, zehnmal gefahren. Ein schöner Zufall für jemanden, der über Motorräder schreibt. Am oberen Ende thront das Stilfser Joch mit 2.758 m, achtmal überquert, der höchste Punkt meiner ganzen Historie. Zwischen diesen beiden Marken — vom Hausberg-Sattel bis zum höchsten asphaltierten Pass der Ostalpen — spannt sich alles auf, was ich in sieben Jahren gefahren bin.
Interessant sind die Ausreißer aus dem Alpenbild: Der Col de la Schlucht (1.139 m, 9×) und der Col du Bonhomme (949 m, 7×) sind Vogesen-Cols. Sie verraten, dass da über die Jahre mehr als eine Frankreich-Tour war, an die ich mich als „einzelnes Erlebnis" erinnere — die Wiederholung hatte ich vergessen, die Daten nicht.
Was so eine Auswertung über einen verrät
Nach ein paar Minuten mit der Bilanz wusste ich drei Dinge über mich, die ich vorher nur geahnt hatte. Erstens: Ich bin ein Gewohnheitsfahrer. Die Streuung ist kleiner, als ich dachte — ein Kern von zwei, drei Regionen trägt den Großteil der Kilometer. Zweitens: Ich unterschätze Wiederholung massiv. Niemand fühlt sich, als würde er 24 Mal denselben Pass fahren; man fühlt sich, als würde man „ab und zu" dort vorbeikommen. Drittens: Die schönsten Erinnerungen sind selten die häufigsten Fahrten. Das Stilfser Joch, an das ich mich an jede einzelne Fahrt erinnere, steht bei acht — der Mendelpass, an keine, bei 24.
Nichts davon ist eine große Lebensweisheit. Aber es ist ehrlich, und es kommt nicht aus dem Gedächtnis, sondern aus dem, was tatsächlich passiert ist. Genau das ist der Punkt, an dem Tourdaten aufhören, ein Nebenprodukt zu sein, und anfangen, ein Spiegel zu werden.
Das nächste Ziel: 76 goldene Kronen
Sobald die Bilanz steht, kippt der Blick automatisch nach vorn. Denn Kurvenfokus kennt 88 sogenannte Gold Roads — kuratierte Top-Motorradstraßen Europas mit einem Score aus echter Kurvengeometrie, Saison-Fenster und Straßengeometrie. 76 davon führen über einen Gebirgspass, und der trägt in der Sammlung eine goldene Krone. An der Spitze stehen das Stilfser Joch von der Nordrampe (Score 99), die Großglockner Hochalpenstraße (98) und das Timmelsjoch (97).
Die höchste dieser Kronen habe ich schon: Das Stilfser Joch steht mit acht Durchfahrten in meiner Bilanz. Aber aus 76 möglichen Kronen wird damit unweigerlich eine Liste — die Karte verwandelt sich von einer Erinnerung in eine To-do-Liste für die nächsten Sommer. Und weil die App jede gefahrene Gold Road beim Import automatisch erkennt, muss ich nichts abhaken: Fahren heißt sammeln.
Wie das technisch funktioniert — kurz
Damit die Zahlen tragen, muss die Pass-Datenbank stimmen. Sie umfasst 4.468 befahrbare Gebirgspässe in 27 Ländern — von den Alpen über Pyrenäen, Karpaten und Balkan bis Island und zu den Färöern. Datenbasis ist OpenStreetMap (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL). „Befahrbar" ist dabei kein weiches Wort, sondern eine Regel: Nur Pässe mit einer asphaltierten öffentlichen Straße höchstens 150 m vom Scheitel zählen. Beim Aufbau flogen so 874 reine Hochgebirgs-Sättel heraus, die man nur zu Fuß oder mit Steigeisen erreicht — der höchste „Pass" der Rohdaten lag auf 4.452 m mitten im Gletschergebiet des Monte Rosa. Weniger Pässe, aber echte.
Der Rest ist Alltag: Track importieren — aus Calimoto, Komoot, GPX und anderen Quellen — und die Pass-Erkennung prüft für jede Überquerung auch die Höhe, damit keine Geister-Pässe entstehen. Kurvenfokus ist aktuell eine iOS-Beta über TestFlight, der Einstieg mit vorhandenen Tracks ist gratis, und die Auswertung passiert auf dem Gerät: Deine Daten bleiben auf dem Handy, kein Account, kein Tracking. Der Passjäger — die Sammel-Ansicht mit Fortschrittsbalken, Höhen-Ranking und Kronen — ist derzeit iOS-exklusiv.
Mein Rat, falls du selbst so einen Ordner hast: Wirf ihn einmal komplett hinein. Die interessanteste Tour ist nicht die nächste — es ist die Summe der vergangenen, die du noch nie gesehen hast.
Quellenverzeichnis
- Eigene Auswertung der privaten Motorrad-GPS-Historie (633 Touren, 2019–2026, zwei Tracking-Apps), abgeglichen gegen die Kurvenfokus-Pass-Datenbank, Stand August 2026. Kennzahlen: 205 Touren mit Pass, 639 Durchfahrten, 152 einzigartige Pässe; Top-Liste und Höhen wie im Text ausgewiesen.
- Pass-Datenbank Kurvenfokus: 4.468 befahrbare Gebirgspässe in 27 Ländern Europas, Befahrbarkeits-Filter 150 m Straßenentfernung. Datenbasis: © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL (openstreetmap.org/copyright).
- Gold Roads und Gold-Road-Pässe: 88 kuratierte Strecken, davon 76 mit Pass-Scheitel in der Datenbank (goldene Krone); Score-Beispiele Stilfser Joch Nordrampe 99, Großglockner 98, Timmelsjoch 97. Eigene Kuratierung, Stand August 2026.
Transparenzhinweis: Die hier gezeigte Bilanz stammt aus meiner eigenen, privat aufgezeichneten GPS-Historie (2019–2026) und einer Auswertung mit der Pass-Erkennung von Kurvenfokus im August 2026. Es handelt sich um persönliche Tourdaten, nicht um eine repräsentative Studie. Die Pass-Datenbank basiert auf OpenStreetMap-Daten (© OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL). Kurvenfokus ist eine App aus meiner eigenen Entwicklung — dieser Artikel ist also kein neutraler Test, sondern ein Erfahrungsbericht des Entwicklers. Der Text wurde mit KI-Unterstützung geschrieben; alle Zahlen stammen aus der eigenen Auswertung, die redaktionelle Verantwortung liegt bei Marco Fuhrmann.