Ja, Schräglage berechnen geht ohne Sensor — dein GPS-Track reicht. Kurvenfokus berechnet Näherungswerte aus Geschwindigkeit und Kurvenradius. Für Sensor-basierte Messung kannst du MotionRecord nutzen — mit dem Gyroskop deines Smartphones.
Die kurze Antwort: Ja
Du brauchst keinen Schräglagensensor am Motorrad. Du brauchst nicht mal eine spezielle App während der Fahrt. Ein GPS-Track reicht.
Zeichne deine Tour mit einer beliebigen Navi-App auf (Calimoto, Kurviger, Komoot — egal welcher), exportiere den GPX-Track und importiere ihn in Kurvenfokus. Die App berechnet die Schräglage aus den GPS-Daten — automatisch, für jede einzelne Kurve.
Wie funktioniert das physikalisch?
Die Physik dahinter ist simpel: In einer Kurve neigt sich ein Motorrad so weit, dass die Fliehkraft und die Schwerkraft im Gleichgewicht sind. Aus zwei Werten lässt sich der Neigungswinkel berechnen:
- Geschwindigkeit in der Kurve (aus GPS)
- Kurvenradius (aus der GPS-Trajektorie)
Die Formel: Schräglage = arctan(v² / (r × g)) — wobei v die Geschwindigkeit, r der Radius und g die Erdbeschleunigung ist. Das ist ein vereinfachtes physikalisches Modell aus der Fahrdynamik (stationäre Kreisfahrt, siehe Mitschke/Wallentowitz: Dynamik der Kraftfahrzeuge). In der Realität wirken zusätzliche Faktoren (Reifenprofil, Fahrwerksgeometrie, Fahrbahnneigung), die das Modell nicht erfasst. Kurvenfokus berechnet diese Näherung für jede Kurve automatisch.
Wie genau ist das?
| Methode | Prinzip | Hardware | Kosten |
|---|---|---|---|
| GPS-basiert (Kurvenfokus) | Algorithmus * | Smartphone | Kostenlos * |
| Gyroskop (MotionRecord) | Sensor-Messung | Smartphone | Kostenlos * |
| RaceBox Mini (25 Hz GPS) | Präzisions-GPS | Externer Empfänger | ~260 € |
| AiM Solo 2 / 2D | Profi-Telemetrie | Dedizierte Hardware | 800–2.000 € |
* Kurvenfokus und MotionRecord befinden sich aktuell in der Testphase — alle Features sind kostenlos nutzbar. Die Schräglagenwerte werden algorithmisch aus GPS-Daten berechnet (Geschwindigkeit × Kurvenradius) und sind Näherungswerte, keine laborgeprüften Messungen.
Wichtig: Die berechneten Werte sind Näherungswerte — sie basieren auf einem physikalischen Modell, nicht auf kalibrierten Sensormessungen. Für Tourenfahrer sind sie trotzdem aussagekräftig: Fahre ich symmetrisch? Werde ich über die Saison besser? Wo sind meine stärksten Kurven? Diese Muster zeigt die Berechnung zuverlässig.
Wann reicht GPS nicht?
GPS hat zwei Schwächen:
- Niedrige Abtastrate: Standard-GPS liefert 1 Messung pro Sekunde. Schnelle Richtungswechsel (Schikane, enge Kehren) können „verschluckt" werden.
- Tunnels und Schluchten: Kein GPS-Signal = keine Daten. Die Kurve im Tunnel fehlt in der Analyse.
Für diese Fälle gibt es zwei Lösungen:
- MotionRecord: Zeichnet parallel Gyroskop-Daten mit 100 Hz auf. 100 Messungen pro Sekunde statt 1 — selbst im Tunnel.
- RaceBox: Externer GPS-Empfänger mit 25 Hz. 25× mehr Messpunkte als Standard-GPS. Kurvenfokus importiert das VBO-Format direkt (iOS).
Der pragmatische Ansatz
Starte mit GPS. Kostet nichts, funktioniert sofort. Wenn du merkst, dass du mehr Genauigkeit willst — hol dir MotionRecord dazu (kostenlos). Und wenn du Trackdays fährst und jedes Zehntelgrad zählt — dann lohnt sich eine RaceBox.
Aber fang an. Die beste Messung ist die, die du tatsächlich machst — nicht die, die du dir irgendwann kaufen willst.
Importiere deinen nächsten GPX-Track und sieh deine Schräglage in jeder Kurve.
Transparenzhinweis: Kurvenfokus und MotionRecord werden von MVXLabs entwickelt. RaceBox und AiM sind eigenständige Produkte, die wir nicht kommerziell bewerten.